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07.06.2010 1031 NäCHSTES JAHR MUSS ES BESSER WERDEN. |
Zur Entschuldigung der Festival-Organisatoren muss man sagen, dass die neuen Leute den Verein erst im letzten November vom ehemaligen CSD Zürich übernommen hatten. So kurzfristig Sponsoren aufzutreiben ist nicht leicht, und deshalb war das Budget auch noch etwas bescheiden. Das Festival hat aber Potential, und das OK hofft denn auch, den Anlass in den nächsten Jahren noch wesentlich vergrössern zu können.
Ein Schwachpunkt war 2010 sicher die Route mit nur halber Strassenbreite und das viel zu kurze Zeitfenster. Dann schon lieber so wie früher vom Helvetiaplatz quer durch die Innenstadt bis zum Landesmuseum - dort konnten wir immerhin 3 Stunden richtig feiern.
Allerdings ist eine Parade auch immer nur so gut wie ihre Teilnehmer. Wenn wie letztes Jahr an der Europride viele aufwändig dekorierte Lastwagen und schrille Vögel unter den Tänzern Stimmung bringen, kann ein Umzug zum Erlebnis werden und auch viele Passanten begeistern. Aber eben, ein Tieflader mit grosser Soundanlage kostet eine fünfstellige Summe, und wenn die Clubszene nur aus vielen kleinen Labels besteht, die alle zu wenig Budget haben und nicht wissen, ob sie in einem halben Jahr noch eine Location finden, dann will eben niemand investieren.
Ein anderes Problem sind die Gays selbst. Vor 5 Jahren war es noch üblich, am CSD mit einem bunten Outfit Farbe zu bekennen. Heute traut sich kaum noch jemand in schrillen Kostümen anzureisen, und erst an der Parade umziehen und dann nicht wissen wohin mit dem Rucksack voller Klamotten, führt halt zum Normalo-Look, der keinen Zeitungsfotografen mehr begeistern mag. Es mag ja zur Abstimmung damals richtig gewesen sein, Normalität zu beweisen. Aber wenn ein Umzug nur noch so aussieht, als ob ein paar Menschen einem verpassten Tram hinterher rennen, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn das die Presse nicht mehr interessiert.
Nur gerade der UBS und ihren Luftballons in Regenbogenfarben haben wir es zu verdanken, dass überhaupt jemand merken konnte, dass es sich um einen schwulen Umzug handelte. Das Wörtchen GAY kommt nicht mal mehr im Titel der Veranstaltung vor. Warum? "Zurich Pride Festival" - ein Fest von Leuten die stolz sind, Zurcher zu sein (ohne ü-Pünktchen wohlgemerkt)?
Ein weiterer Schwachpunkt ist der Turbinenplatz. So nahe der Platz an den Clubs gelegen ist, so weit ist er auch vom Stadtzentrum entfernt. Kein Passant verirrt sich je auf diesen Platz. Und wenn der Umzug schon um 2 zu Ende ist, gehen halt viele Paradeteilnehmer lieber zuerst noch an den See, als in der Mittagssonne auf einem staubigen Kiesplatz zu schwitzen, wo nicht einmal ein Brunnen steht. Hätte dort wenigstens eine Bar spontan ein Planschbecken voll Wasser aufgestellt, wären wir begeistert rein gehüpft. Unter den heutigen Sicherheits- und Hygienevorschriften sind solche Spässe jedoch leider unmöglich geworden.
Wie wird es 2011 und 2012 weiter gehen? Vielleicht haben wir inzwischen die richtigen Leute im OK, die es schaffen können, namhafte Sponsoren zu verpflichten. Für eine gute Parade brauchen wir jedoch unbedingt auch innovative Veranstalter, die bereit sind, etwas in diesen Tag zu investieren. Und diese brauchen eine lebendige Gayszene, die nicht nur zu Hause vor dem PC sitzt sondern das ganze Jahr über aktiv am Szeneleben teilnimmt.
Autor: Kjell Direktlink: www.zuerigay.ch/news?de1591
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